LMGTFM; a circuit system

Videoinstallation, 04:41 min., Loop

DE:
Im digitalen Zeitalter wird der Mensch, hinsichtlich der Recherche im Internet, geradezu von Informationen überhäuft. Diese treffen den Leser mehr oder weniger ungefiltert. Unzählige Informationen strömen auf einmal hinein, welchen davon kann man glauben schenken welchen nicht? Die Installation LMGTFM; a circuit system handelt von einer Suche, die den Anschein gibt nie zu Enden. Es entstehen visuelle Collagen und das Audio verschmilzt dabei zur reinsten Kakophonie. Das Thema der Suche: der Darm.

 

Lange Zeit war das Thema rund um den Verdauungstrakt ein gesellschaftliches Tabu. Der Darm erschien im Vergleich zu anderen lebenswichtigen Organen wie Herz, Lunge und Hirn als unnütz und gar als etwas Schmutziges. Das Bild hat sich im Laufe der letzten Jahre stark gewandelt, bedingt auch durch die vielen (oftmals nicht nur eingebildeten) Nahrungsmittelunverträglichkeiten und deren unangenehmen Begleiterscheinungen bei Nichtbeachtung. Viele Betroffene begannen nach Lösungen ausserhalb der Arztpraxen zu suchen und gebrauchten dazu die Informationsquellen im Internet. Man findet dort nicht nur alle möglichen Varianten an Diätvorschlägen, sondern wird auch noch regelrecht überhäuft von Werbung für Vitamine, Diätshakes und Co. – die exzessive Onlinerecherche kann bei vielen eine hypochondrische Ader zum Vorschein bringen und oftmals werden Krankheiten sprichwörtlich eingebildet. Für ebenso viele hingegen bedeutet gerade diese Suche im Netz endlich das Ende ihres Leidensweges; das Internet bietet jegliche Information und Lösungswege, selbst der Laie braucht für Diagnosen kaum noch einen Arzt.

 

Der Darm ist ein System, ein Kreislauf, ein Durchlauf. Die Arbeit zeigt assoziative Verknüpfungen und Gedankengänge anhand der Recherche, dies geschieht simultan mittels mehrerer, paralleler Erzählstränge. Einerseits wird ein evolutionärer, rationaler, biologischer Erzählstrang gebildet, er handelt von der Entwicklung des Darms beim Menschen als Embryo, von Parasiten und Nervenverbindungen zwischen Darm und Gehirn. Andererseits bildet sich ein emotionaler, individuell persönlicher Erzählstrang mit Krankheitsdiagnosen, Werbung und Quacksalbern. Die Installation verweist auf die Ambivalenz der Gefühle zum Thema Darm, zoomt in den Kosmos der Bakterien und zeigt Einblicke in eine Welt in der es nur um Gesundheit, Vitalität, Schönheit und Fitness geht – und wie diese Werte massenhaft vermarktet werden.


EN:

In the digital age a person who is doing some research on the internet, seems to be flooded by information. These strike the reader more or less unfiltered. Countless information popping up at once, can I trust them or not? The installation LMGTFM; a circuit system seems to be a never ending research. It creates visual and audio collages. The topic of the research: the gut.

 

For a long time the subject around the digestive tract was a social taboo. The intestines appeared in comparison to other vital organs such as heart, lung and brain as useless and even as something dirty. The picture has changed considerably in recent years, also due to the many (often not only imaginary) food intolerances and their unpleasant side effects if ignored. Many sufferers began to look for solutions outside the medical practices and used the information on the Internet. One finds not only all possible variants of dietary suggestions, but is also downright bombarded by advertising for vitamins, diet shakes and Co. - the excessive online research can bring out a hypochondriac side and often diseases are conceited. For as many on the other hand this research means finally the end of their suffering; the Internet provides any information and solutions, even a layman need for diagnoses barely a doctor.

 

The digestive tract is a system, a circuit, a pass. The work shows associative links and ideas on the basis of research, this is done simultaneously by several, parallel storylines. On the one hand an evolutionary, rational, biological narrative line is formed, it is about the development of the intestine in humans as an embryo, parasites and nerve connections between the intestines and brain. On the other hand, an emotional, individual personal narrative line with disease diagnoses, Advertising and mountebanks. The installation refers to the ambivalence of feelings about the gut, zooms into the cosmos of bacteria and shows insight into a world where it‘s all about health, vitality, beauty and fitness - and how these values are marketed en masse.